Das Historische Seminar der Uni Münster hat ganze zwei Rechner im Katalogsaal stehen. Die stehen da, damit man auf Allegro zugreifen kann. So heißt der digitalisierte Katalog. Mit Geschwindigkeit hat das nicht viel zu tun, kurz: Die Rechner sind sehr alt und sehr behäbig. Aber ist ja auch Geschichte, nicht Musik. Und Geschichte hat Zeit.
Ich hatte mir die Signatur eines Buches notiert, das ich in der noch recht frisch renovierten und neu organisierten Institutsbibliothek zu finden hoffte. Nach vier Minuten indes gab ich die Suche auf, vermutete einen Fehler meinerseits, und wollte die Angaben “mal eben” überprüfen.
Pech: Vor dem einen sitzt eine Studentin, intensiv mit Bibliographieren beschäftigt, wogegen nichts zu sagen ist. Ich mag engagierte Studenten. Was mich allerdings nervte, war die blöde Planschkuh, die den anderen Rechner in Beschlag genommen hatte, um zu surfen und nette Emails zu schreiben.
Um meinen Ärger zu verstehen, muss man wissen, dass sich nur ein Geschoss unter uns ein recht gut ausgestatteter Computerraum befindet, wo man das ungestört und stundenlang tun kann. Interessiert keinen. Wirklich nicht. Ich habe das schon ausprobiert.
Hier allerdings, in der Geschichte, wo es nur zwei Rechner gibt, fand ich das ne ziemliche Unverschämtheit. Ich nahm mir vor, fünf Minuten geduldig zu warten. Nach zwei Minuten wurde ich unruhig, nach drei Minuten überfiel mich ein bisher nicht bekanntes Räuspern, nach vier Minuten trommelte ich mit den Fingern auf den Schreibtisch. Planschkuh allerdings surfte weiter — vollkommen unbeeindruckt.
Ich frag mich jetzt nur, wer der Depp in dieser Geschichte ist. Planschkuh? Oder ich, weil ich mich noch nicht einmal getraut habe zu fragen, ob das, was sie da schreibe, wenigstens nen wissenschaftlichen Bezug hat?
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